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Übertrittszeugnis, Notendurch- schnitte und was sie aussagen 

Geeignet  für welche Schullaufbahn?

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Wenn Sie den Übertritt an Realschule oder Gymnasium anstreben, ist das Ziel aller Anstrengungen in der 4. Klasse das Übertrittszeugnis, das am ersten Unterrichtstag des Monats Mai ausgestellt wird. Alle bis zu diesem Zeitpunkt erbrachten Leistungen – selbstverständlich auch die Noten aus der ersten Schuljahreshälfte – fließen in Form von "Jahresfortgangsnoten" in dieses wichtige Zeugnis ein.
Entscheidend sind allerdings nur die Noten der drei Hauptfächer Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachunterricht.

   
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    Auf die "Durchschnittsnote" kommt es an
 

Zwei unterschiedliche Wege ermöglichen nach der 4. Klasse den Wechsel an eine Realschule oder ein Gymnasium:

  • Der Übertritt nach erfolgreichem Probeunterricht: 3-tägiger Unterricht mit Prüfungscharakter, durchgeführt an der aufnehmenden Schule

  • Der direkte Übertritt auf Grund entsprechend guter Noten im Übertrittszeugnis 
    der 4. Grundschulklasse

Ob sich Ihr Kind erst dem Probeunterricht unterziehen muss - oder auf unkomplizierte Weise direkt an die gewünschte Schule wechseln darf, das entscheidet allein die "Durchschnittsnote" im Übertrittszeugnis. Dieser Schnitt wird etwa Mitte April aus dem aktuellen Leistungsstand der Fächer Deutsch, Mathematik und Heimat-Sachunterricht gebildet.

Rechenbeispiel zur Ermittlung der Durchschnittsnote:  Für jedes der drei Hauptfächer wird eine Note ohne Kommastellen vergeben; aus diesen bildet man die Summe und teilt sie durch drei:    Note 3 + Note 1 + Note 4  =  8        8 : 3  =  Durchschnittsnote 2,66

 
    Übertritt an das Gymnasium - nach der 4. Klasse Grundschule
 

Bis zur Durchschnittsnote 2,33 ist ein Schüler für das Gymnasium geeignet und kann ohne Probeunterricht nach der 4. Klasse übertreten. 

Ab der Durchschnittsnote 2,66 und schlechter muss jeder Schüler, der das Gymnasium besuchen möchte, an einem dreitägigen Probeunterricht (“Aufnahmeprüfung“) teilnehmen. Für den Besuch des Probeunterrichts werden keine bestimmten Noten vorausgesetzt.

  Übertritt Gymnasium - Notenbeispiele:
Deutsch Mathem. Heimat-
 Sach.
Durchschnitts-
note
   
2 2 3 2,33 geeignet Direkter Übertritt an das Gymnasium - kein Probeunterricht 
1 3 3 2,33
2 3 3 2,66 nicht
geeignet
Probeunterricht muss besucht werden
4 2 2 2,66
Die Aufnahme an ein musisches Gymnasium ist an eine weitere Bedingung geknüpft: Das Übertrittszeugnis muss - zusätzlich zu den oben stehenden Anforderungen - im Fach Musik die Note "eins" oder "zwei" enthalten.
 
    Übertritt an die Realschule - nach der 4. Klasse Grundschule
 

Bis zur Durchschnittsnote 2,66 ist ein Schüler für die Realschule geeignet und kann ohne Probeunterricht nach der 4. Klasse übertreten. 

Ab der Durchschnittsnote 3,00 und schlechter muss jeder Schüler, der die Realschule besuchen möchte, an einem dreitägigen Probeunterricht teilnehmen. Für den Besuch des Probeunterrichts werden keine bestimmten Noten vorausgesetzt. 

  Übertritt Realschule - Notenbeispiele:
Deutsch Mathem. Heimat-
Sach.
Durchschnitts-
note
   
3 2 3 2,66 geeignet Direkter Übertritt an die Realschule -
kein Probeunterricht
3 1 4 2,66
3 3 3 3,00 nicht
geeignet
Probeunterricht muss besucht werden
2 4 3 3,00
Wer sein Glück im Probeunterricht am Gymnasium versucht, diesen aber nicht besteht, hat noch eine Möglichkeit zum Realschulübertritt: Einzelheiten hier
    Das Übertrittszeugnis
 

Bei der Anmeldung an der Realschule oder am Gymnasium muss das Übertrittszeugnis vorgelegt werden - auch dann, wenn das Kind im Probeunterricht seine Fähigkeiten erst unter Beweis stellen will.  
  
Das Zeugnis wird jedem Viertklässler in den ersten Unterrichtstagen des Monats Mai ausgehändigt. Es bescheinigt  - je nach vorangegangenen Leistungen - eine Eignung für das Gymnasium, die Realschule oder die Mittelschule. Das Zeugnis muss nicht mehr, wie früher üblich, eigens beantragt werden, sondern wird automatisch für jeden Schüler der Klasse ausgestellt.

  So sieht das Zeugnis aus:
Zeugnis Seite 1

Sozialverhalten, 
Lern un
d Arbeitsverhalten:
ausführliche Beschreibung der Schülerpersönlichkeit, wie in Grundschul-Zeugnissen üblich

Jahresfortgangsnoten:
aktueller Leistungsstand in allen Fächern bis zum Monat April

Zeugnis Seite 2
Jahresfortgangsnoten:
aktueller Leistungsstand in allen Fächern bis zum Monat April
Gesamtdurchschnittsnote:
entscheidend für den Übertritt
Zusammenfassende Beurteilung:
stellt die Eignung für den weiteren Bildungsweg nach der 4. Klasse fest
Die ausformulierten Bemerkungen zu Verhalten und Leistung kommentieren die Noten und Persönlichkeit des Schülers, sie haben aber keinen direkten Einfluss auf die Übertrittsberechtigung. Der entscheidende Satz "für den Besuch eines Gymnasiums / einer Realschule / einer Mittelschule geeignet" richtet sich allein nach der rechnerisch ermittelten Durchschnittsnote, die Sie hervorgehoben auf der zweiten Zeugnisseite finden.
  
E
in wichtig
es Detail: Das ausgestellte Übertrittszeugnis berechtigt nur zum Übertritt im direkt darauffolgenden Schuljahr. Wer sich entschließt, mit dem Übertritt noch ein Jahr zu warten, muss sich die Berechtigung dazu von neuem erarbeiten.
 
    Grenzfälle
 

Im Fall von schwankenden Noten liegt es – innerhalb gewisser Grenzen – im Ermessen des Lehrers, die bessere oder schlechtere Note zu geben, auch wenn es entscheidend für den Übertritt sein sollte. Der Lehrer muss (laut bayerischem EUG) bei der Notengebung die "gesamten Leistungen eines Schülers“ berücksichtigen, wozu außer den Probearbeiten auch Mitarbeit oder Heftführung zählen. Gerade in Grenzfällen können solche Gesichtspunkte den Ausschlag geben.
 
V
erschiedene Gerichtsurteile bestätigen diesen Sachverhalt und gewähren dem Lehrer bei der Notengebung ausdrücklich einen
"Beurteilungsspielraum". Lediglich nachweisbare "Verfahrens- oder Sachfehler" ermöglichen die Anfechtung einer Note.

 
    Wie viel Aussagekraft haben die Übertrittsnoten?
 

  Bei dem Prädikat geeignet“ und gleichzeitig guten Noten in Deutsch und Mathematik gibt es keinen Grund, mit dem Übertritt an Realschule oder Gymnasium zu zögern. Kinder mit derartig positiven Voraussetzungen müssen selten ihre Schulwahl im Nachhinein korrigieren. Wie die Erfahrung zeigt, sind sie in den Anfangsjahren auch kaum vom Wiederholen einer Klasse betroffen. 

  Wer die Eignung zum Übertritt verfehlt hat, aber doch nahe am erforderlichen Schnitt liegt, kann mit realistischen Erfolgsaussichten in den Probeunterricht gehen. Wichtig ist, dass nicht nur im Lernfach HSU passable Noten erzielt wurden, sondern auch in den "Begabungsfächern" Deutsch und Mathematik solide Ergebnisse vorliegen, die dem Übertritts-Schnitt nahe kommen. Mindestens ein Drittel aller Teilnehmer darf mit einem positiven Prüfungsergebnis rechnen. Erfahrungswerte zeigen, dass Schüler, die per Probeunterricht übergetreten sind, während ihrer späteren Schullaufbahn mehr im mittleren oder unteren Teil des Leistungsspektrums liegen.

  Falls die Übertrittsempfehlung "geeignet" nur knapp erreicht wurde, und das allein durch auffällig gute Noten im Fach HSU, gilt es nochmals abzuwägen. Die Leistungen in Deutsch und Mathematik spiegeln die Eignung für einen weiterführenden Bildungsweg viel deutlicher wieder und sollten deshalb im Vergleich zu HSU nicht abfallen. Hat vielleicht auch der Einsatz von Nachhilfe oder massive elterliche Unterstützung zum scheinbaren Erfolg beigetragen? Seien Sie in diesem Fall ehrlich zu sich selbst und ziehen Sie den Klassenlehrer zu Rate, ohne etwas zu beschönigen - möglicherweise spricht er von sich aus diese Problematik an.

  Bei einem Notendurchschnitt von 3,33 oder schlechter werden die Aussichten auf ein Bestehen des Probeunterrichts und ein erfolgreiches Absolvieren von Realschule oder Gymnasium immer geringer, so dass  der Wechsel auf die Mittelschule in diesem Fall meist das Sinnvollere ist. Der Klassenlehrer wird Ihnen genauer erklären können, wie der Notendurchschnitt zu Stande kam und ob eine Teilnahme am Probeunterricht noch zu empfehlen ist.

 
    Anmelde-Formalitäten
 

Übertrittswillige Schüler müssen rechtzeitig an ihrer neuen Schule angemeldet werden - egal, ob das Kind “geeignet“ ist oder den Probeunterricht besuchen muss. Einer der Erziehungsberechtigten kann dies zu den bekanntgegebenen Terminen (Anfang Mai) tun. Benötigte Unterlagen: 

  • Übertrittszeugnis 

  • Geburtsschein oder Geburtsurkunde 

  • Eventuell: Bescheinigung bei anerkannter Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche

 
    Fazit
 

Für den Übertritt an das Gymnasium geht bis zum Notendurchschnitt 2,33 (Deutsch, Mathematik, Heimat- u. Sachunterricht) alles problemlos und ohne Probeunterricht.  Ab 2,66 muss der Probeunterricht besucht werden.

Für den Wechsel an die Realschule genügt der Schnitt 2,66 (Deutsch, Mathematik, Heimat- u. Sachunterricht) zum problemlosen Übertritt. Ab 3,00 muss der Probeunterricht besucht werden.
 
In unklaren Fällen Beratung einholen          Im Mai an der neuen Schule anmelden.

 
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